Meine Erfahrungen mit Bockgruppen:

Meine Meerschweinchenzeit begann wie üblich mit zwei Meerschweinchen aus dem Zooladen (Max und Moritz). Als meine Freundin Sibylle dann Ende 2004 anfing eine Meerschweinchenzucht zu starten (www.heissnhof.de) begann auch bei mir die Glut zu glimmen. Ich fing nun erstmal an mich mit den verschiedenen Rassen und Farben zu beschäftigen und begriff das riesige Ausmaß der Vielfalt dieser Heimtiergattung. Meine Leidenschaft und Neugier begann zu lodern. Ich liebäugelte auch mit den verschiedenen Rassen und Farben dieser herrlichen Geschöpfe. Da ich keinerlei Zuchtabsichten hegte, habe ich mir vorgenommen nur Böckchen zu halten. Ich habe mich dazu vorher gut informiert. Aber schon durch das erste Böckchenbabypaar, das ich zu den Superfreunden Max und Moritz setzte, wurde eine Freundschaft in eine große Feindschaft verwandelt. Max und Moritz haßten und verfolgten sich. Wie üblich wartete ich ab im Glauben, dass sich das schon wieder gibt. Aber nichts da - immer mehr Haare lagen im Käfig und dann waren auch Bisse am Rücken von Max zu sehen und so mußte ich handeln. Ich holte einen 2. Käfig und trennte die Tiere. Die Babies waren unzertrennlich, so mußte ein weiteres für Moritz her, damit er nicht alleine blieb. Das war dann der Beginn meiner ständig wachsenden Bockgemeinschaft, die mir auch den Namen Klostergarten einbrachte.

Da ich fast nur Babytiere dazunahm gab es zunächst keine Probleme und ich begann mich über die Warnhinweise in den Büchern der Experten vor Bockgruppen lustig zu machen. Ging doch alles ganz prima, was sollte das Gerede. Und gar Frau Pelz in der Schweiz, die eine unbedingte Frühkastration der Babyböckchen forderte, zum Wohle der Tiere, wie konnte die sowas empfehlen. Mit genügend Platz lassen sich doch diese friedlichen Gesellen leicht händeln. Denkste....

Meine Böckchen wurden älter und dann kam es zu Feindseligkeiten. Plötzlich lagen Haarbüschel im Revier. Einer mußte quiekend wegspringen, wenn ein anderer rannahte. Und der letztere machte das immer und immer wieder, sodaß der Flüchtlich sich nirgends mehr in Ruhe ablegen konnte. Also wieder trennen. Manchmal war es gar nicht leicht den wirklichen Störenfried zu identifizieren, denn die Aggressionen in einer Gruppe sprangen meist auf alle Tiere über und es schnatterte in einer Fünfergruppe schließlich jeder gegen jeden.

Ich hatte also ganz schön zu tun, die richtigen neuen Gruppierungen zusammenzustellen. Langsam bekam ich dann einen Blick dafür, wann es Sinn machte etwas abzuwarten, weil einfach nur die Gemüter aufgeheizt waren und wann es keinen Sinn machte. Ich stellte fest, dass es kaum eine Chance gab für eine Vergesellschaftung, wenn die Böcke beim zusammenführen gleich aggressiv schnatternd auf sich zuliefen. Blieben sie dagegen erstmal ruhig und abwartend, dann hat meist einer nach kurzer Zeit versucht den anderen zu dominieren und wenn das zugelassen wurde, blieben die beiden erstmal verträglich. Ich schreibe hier "erstmal" denn das hieß nicht, dass das für alle Zeiten so blieb.

Letztendlich mußte ich innerhalb eines Jahres meine 4er, 5er und 6er-Bockgruppen in lauter 2er und 3er Gruppen aufteilen, weil es immer wieder Zoff gab. Manche sitzen nun schon seit über einem Jahr friedlich mit ihrem Partner(n) zusammen. Würde ich aber ein neues Tier (Baby oder Erwachsenes) dazutun, dann käme es hier auch höchstwahrscheinlich zu riesigen Streitereien alle gegen alle (nur die Omegatiere würden sich in Sicherheit bringen und raushalten). Solche Störungen unternimmt man natürlich versuchsweise, wenn man wiedereinmal einen Bock von einer Gruppe trennen muß und einen neuen Platz für ihn sucht. Meist ging das aber nicht, den in eine andere bestehende Gruppe zu integrieren. Es hieß meistens ein neues Baby dazukaufen....

Wenn meine Burschen bei Wintereinbruch in die Innenställe wechseln, die halt kleiner sind als die Sommerausläufe, dann "rumpelt" es auch einige Tage lang ganz schön in der Nacht. Das hat aber bisher keine ernsthaften Aggressionen ausgelöst und war nach 2-3 Tagen vorbei, wenn die ursprüngliche Gruppensortierung beibehalten wurde. Häuschen und Sitzplätze waren dann schnell neu verteilt. Gleiches passiert bei Revieränderung beim Umzug ins Sommergehege. Es ist höchst ratsam bei Bockgruppen möglichst keine überflüssigen Veränderungen zu machen.

Interessanterweise wurde bei meinen Tieren "echter" Streit nicht ausgelöst durch Weibchen in der Nachbarschaft. Meine Gruppen können sich nicht sehen, da ein Brett die Gehege unterteilt. Wenn im Nachbargehege ein Babyböckchen vergesellschaftet wird oder eine Verpaarung stattfindet, so kommt es natürlich zum gurrenden Brommseln des dabeisitzenden Bockes. Dies macht natürlich die benachbarten akkustisch beiwohnenden Gruppen sehr neugierig und unruhig. Dadurch sind bei meinen Tieren jedoch nie wirkliche Streits ausgelöst worden. - Tja, das ist nun nicht mehr wahr. Jetzt habe ich einen bösen Streit ausgelöst, weil ich etwa 1m neben Max und Ikarus  ein Feigehege mit Hochzeitspärchen gestellt habe. Die anderen Böcke rundum hats nicht weiter interessiert.

Manche sagen mir oft, ich hätte halt länger abwarten und die Raufereien bzw. Rangordnungen einfach "aussitzen" lassen müssen. Das sehe ich nicht so, denn die Verletzungen sind erheblich, wenn Böcke kämpfen. Gott sei Dank hatte ich nie eine wirklich schwere lebensbedrohliche Streitfolge, aber das liegt daran, dass ich Tiere eben gut beobachtet und getrennt habe, wenn absehbar wurde, dass die Burschen handgreiflich werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass Tiere, die in der Gruppe ständig gejagt und verdrängt wurden, meist kleiner blieben und schneller krank wurden. Der Dauerstreß verkürzte letzendlich die Lebensdauer erheblich. 

Ich konnte auch nie erleben, dass sich Böcke, die einmal rauften bis zum Beißen sich je wieder vertragen hätten. In der Phase des Drohens ging das durch die Kastration des Aggressors oder beider Tiere durchaus noch, dass sie nach einer gewissen Zeit des Hormonsabbaus (wenn der Testosteronspiegel nach der Kastration langsam geringer wird) wieder verträglich miteinander auskamen.

Ich fasse meine Erfahrungen zu Bockgruppen zusammen:

~ die Vergesellschaftung von Babytieren (0-6 Wochen) ist kein Problem

~ wenn die Babies in die Geschlechtsreife kommen (6-12 Wochen) dann kann es zu Mutproben mit dem Leitbock kommen. Ist der "stark" genug, dann gibt sich das schnell wieder.

~ spätestens mit 6-8 Monaten kommen die Böcke in die Revierreife. Nun können die schlimmen Feindseligkeiten mit Konkurrenzböcken beginnen und dabei geht es ohne Gnade voll zur Sache. Dies kann auch ohne äußeren Anlaß passieren bei bisher friedlichen Zweiergruppen.

~ Kastrierte Böcke werden sofort nach der Kastration erstmal noch "wilder", wenn die Konkurrenten anwesend sind. Erst mit langsam sinkenden Testosteronspiegel (ca. 4 Wochen nach OP) werden sie gelassener.

~ Neben der Ranghöhe scheint auch Sympathie/Antipathie eine wichtige Rolle beim sich verstehen zu spielen. Das ist mein Eindruck, denn manche Böcke mögen sich sofort und dauerhaft und leiden lange darunter, wenn ihr Freund aus der Gruppe entfernt wird. In diesen Fällen kann auch eine Wiedervergesellschaftung nach einer längeren Zeit der Trennung versucht werden. Dies klappt dann ganz gut und ohne großes Dominierspiel. Dann gibt es daneben "Toleranzgemeinschaften", wo sich die Böcke zwar nicht bekriegen, aber im Grunde auch nicht mögen. Hier kann der kleinste Zwischenfall einen Krieg auslösen.

Die Frühkastration (5.-7. Woche) schon beim Züchter ist nach meiner Meinung ein sehr sinnvolles Vorgehen bei Bockbabies, sofern sie nicht zur Zucht vorgesehen sind.  Es verhindert die natürliche Entstehung von aggressivem Verhalten untereinander und Bockgruppen können damit dauerhaft bestehen bleiben. Zudem kann später jederzeit auch eine Vergesellschaftung mit Weibchen gemacht werden. Das erleichtert das Händling, sollte mal ein Partner versterben.

Die Frühkastration könnte verhindern, dass immer wieder die Böcke in die Notstationen kommen, weil die Liebhaber, die ein süßes Babybockpaar gekauft haben, einen oder beide frustriert und traurig wieder hergeben müssen, weil sie sich nach einigen Monaten friedlichen beieinanders plötzlich doch nicht mehr vertragen.

Betonen muß ich aber, dass nicht alle Böckchen anfangen zu streiten. Es kann auch langfristig gutgehen, dafür habe ich genügend Beispiele bei mir sitzen. Man kann dies aber leider nicht im vorhinein erkennen, wer sich langfristig dauerhaft mit wem verträgt. Deshalb ist die empfehlenswerteste Liebhaberhaltung die Kombination von Kastrat und Weibchen oder Frühkastrat und Bock. Wünschenswert wäre es deshalb, wenn die Beratung durch die Züchter in diese Richtung geführt würde.

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