Hier schreibe ich rein, was mir spontan zu Meerschweinchen einfällt, Dinge, die mir wichtig erscheinen und die man vielleicht nicht alle schnell in Büchern findet. Dinge, die ich im mehrjährigen Umgang mit Schweinchen als praktisch und empfehlenswert - oder vermeidenswert erfahren habe.

Pflege:

Die wichtigste "Pflege" ist die Beobachtung der Tiere: verhält sich das Tier wie üblich? Kommt das Kleine wie üblich schnell zum Futter, frisst es, wie sehen die Köttel aus? Bitte beachten Sie immer Ihr "Bauchgefühl", wenn es Ihnen Hinweise gibt, dass da etwas nicht stimmt. Lieber ein Gang zum Tierarzt zuviel, als einer zuwenig. Etwa alle 1-2 Wochen kann man das Tier wiegen (Briefwaage bis 2 kg). Fast alle Meerschweinchenkrankheiten gehen mit einem Gewichtsabfall einher.

Zur allgemeinen Pflege gehören die Kontrolle der Haare. Man inspiziert, ob Parasiten anwesend sind und man schneidet die Haare kürzer, sobald sie Bodenlänge erreichen, damit die Tiere beim laufen nicht behindert sind. Langhaarige Tiere ohne Locken sollten regelmäßig gekämmt werden. Lockentiere kämmt man üblicherweise nicht, da sich dann die Lockung auszieht, aber man kontrolliert das Fell auf Haarknoten und schneidet diese heraus. Es hat sich sehr bewährt, die Haare am After kurz zu halten, bei Männchen auch um die Afterdrüse herum und um den Penis. Vorsicht bei Weibchen beim Kürzen der Bauchhaare, die beiden Zitzen  können sehr lange sein, wenn die Sau schon mal gesäugt hat. Bitte immer vorsichtig schneiden und genau hinsehen was man abschneidet.

Die Krallen werden regelmäßig geschnitten, etwa alle 4-8 Wochen, je nach Abnutzung.

Die Haut wird regelmäßig auf Verletzungen und Pilz/Grabmilbenbefall (graue schuppige Hautstellen) kontrolliert. Eine korrekte Zahnkontrolle führt der Tierarzt durch, das sollte in etwa jährlichem Abstand geschehen.

Die Ohren haben bei älteren Tieren manchmal einen schmalzig/grobschuppigen Belag, den man leicht mit einem feuchten Tüchlein abreiben kann. Ein feiner weißlicher Belag wie Mehltau hingegen weist auf eine Pilzinfektion hin. Diese beginnt sehr häufig auf den Ohrläppchen.

Baden braucht man das Meerschweinchen nur in Ausnahmefällen. Für Meerschweinchen ist Baden in der Regel sehr viel Streß und bedeutet eine erhebliche Gefahr sich zu erkälten, also immer im warmen Zimmer lassen, bis das Tier wieder ganz trocken ist. Die Tiere tolerieren Fönen in der Regel schon, aber bitte darauf achten, dass nicht zu lange an der gleichen Stelle gefönt wird, da es sonst zu Verbrennungen kommen kann. Also den Fön schön hin und herschwenken.

Ernährung:

Ein Meerschweinchen braucht IMMER: Heu und Wasser

Ein Meerschweinchen braucht NICHT: Milchdrops, Klee und Kohl

Stellen Sie Ihrem Schweinchen immer und wirklich IMMER Heu zur Verfügung und Wasser, dann sind auf alle Fälle die Grundbedürfnisse an Nahrung erfüllt. Ein Meerschweinchen ist ein Pflanzenfresser und hat einen Stopfdarm, d.h. das Tier muß immerfort fressen, damit die Nahrungssäule im Darm vorwärts bewegt wird. Bleibt über längere Zeit die Nahrung aus oder wird stark blähende Nahrung wie Kohl und Klee gefüttert, dann kommt es sehr schnell zu Gärungsprozessen und das Schweinchen bekommt einen Blähbauch und extrem schmerzhafte Koliken. Dann hilft nur noch ein sehr schneller Gang zum Tierarzt, sonst verendet das Tier qualvoll. Deshalb sollten Sie Experimente mit Kohl und Co. vermeiden. Ein Meerschweinchen frisst gerne auch immer das gleiche, es ist kein Gourmet, der täglich eine andere Variante auf dem Tisch braucht. Neben Heu und Wasser kann man zur Versorgung mit Vitamin C, das das Meerschweinchen nicht selbst produzieren kann, frisches Obst und Gemüse geben. Auch Trockenfutter, d.h. Getreide-Körnchen oder Pellets für Meerschweinchen kann in Maßen angeboten werden (1 Esslöffel pro Tier am Tag).

Geeignetes Frischfutter sind: Karotten, Äpfel, Gurken, Melone, Endiviensalat, Eissalat, Gras von der Wiese (nicht nass!), zum Knabbern Zweige von Obstbäumen

Bitte nicht folgendes füttern: Kartoffeln, Zwiebel, Lauch, Schnittlauch, weiches Brot, Kohl, Klee

Haltungstipps:

Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere, d.h. man sollte sie nie alleine sitzen lassen, auch nicht für kurze Zeit. Eine Ausnahme davon stellen Weibchen dar, die kurz vor der Geburt sind. Manche werdenden Mütter tolerieren oft keine Artgenossen und es bedeutet für sie großen Streß, diese immer wieder von der Wurfstelle fernzuhalten.

Der Käfig sollte ausreichend groß gewählt werden, d.h. mindestens 100 x 50 cm für 2 Tiere, besser 120 x 60 cm. Einen Gitterkäfig kann man in seiner Lauffläche vergrößern, wenn man eine Zwischenetage, erreichbar über ein Schrägbrett, einzieht. Ein guter Platz für den Käfig ist weder im Hitzestau (direkt vor der Heizung) noch im Durchzug. Günstig ist immer etwa Augenhöhe, da die Tiere dann am meisten Beachtung finden und sich schnell an den Menschen gewöhnen. Da die meisten Feinde der Meerschweinchen in der Natur von oben kommen (Raubvögel) beruhigt es die Tiere sehr, wenn die Oberseite des Käfigs abgedeckt wird. Häuschen oder andere Möglichkeiten zum Verstecken gehören in jeden Stall. Ein Tier wird bestimmt nicht schneller zahm, nur weil es sich nicht mehr verstecken kann. Im Gegenteil, es ist dauernd verunsichert, ob der vielen Gefahren, denen es nicht entfliehen kann. Den Käfig säubert man mindestens einmal wöchentlich, wenn der Käfig im Wohnbereich steht empfiehlt sich eine zweimal wöchentliche Reinigung. Das geht sehr einfach, wenn man mehrere Lagen Zeitungspapier zuunterst legt und darüber eine 2-3 cm dicke Schicht mit Holzspänen. Dann eine Stroh- oder Heuschicht als Abschluß. Zum Reinigen braucht man lediglich die Zeitungsschicht von der Seite her mit dem ganzen Mist aufrollen und kann alles zusammen in den Biomüll geben.

Zum Eingewöhnen läßt man den Tieren viel Zeit. Auch Kinder können lernen, sich den Mitbewohnern leise und langsam zu nähern. Hektische Bewegungen und laute Geräusche machen den Tieren Angst und sollten vermieden werden. Eine vertraute Ansprache und ein angebotenes Gürkchen werden bald erreichen, dass das Schweinchen aus der Hand frisst. Bei kleineren Kindern ist es am besten, das Kind setzt sich auf ein Kissen, einen niedrigen Schemel oder auf den Boden und bekommt das Tier auf den Schoß gesetzt zum Streicheln. So kann nichts passieren, wenn das Tier doch mal runterspringt.

Meerschweinchen sollten NICHT frei im Zimmer unherlaufen. Ein Auslauf ist für die Tiere sehr schön, aber nicht in einem normalen Zimmer, wo sich auch Menschen bewegen. Man kann den Tieren einen Raum abgrenzen, wo sie sicher umherstreunen können. Am besten eine Wachstuchdecke auf den Boden und dann ein fortlaufender Gitterzaun rundum (gibts billig in jedem Zooladen). Einigen Häuschen oder Schachteln vermitteln den Tieren Sicherheit und sie werden sich mehr bewegen, wenn sie von Versteck zu Versteck schlüpfen können. Natürlich sollte auch ein Haufen Heu nicht fehlen. Mit diesem Arrangement verdreckt weder die Wohnung, noch kann den Tieren durch große (und kleine) Menschen was geschehen.

Zum Thema Böckchenhaltung habe ich einen eigenen Link auf dieser Homepage erstellt. Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung:

Böckchen werden schneller zahm und zutraulich als Weibchen, sie sind sehr menschenzugewandt. Sie riechen kein bißchen mehr oder anders als Weibchen. Einzig die Fettdrüse über dem After bedarf einer zusätzlichen Pflege, die darin besteht, dass man dort die Haare kurz halten sollte, weil der Pelz sonst schneller verklebt oder schmutziger Staub im fettigen Fell kleben bleibt.

Böckchenkumpels bleiben leider in etwa 50% der Fälle nicht lebenslang Freunde, sondern können sich im ersten Jahr verstreiten. Dies kann zu schlimmen Kämpfen führen, die in bösen Verletzungen enden. Böckchengruppen müssen also immer gut beobachtet werden und man sollte bei den ersten Drohgebärden (aufgerichtetes aufeinander zugehen und Zähneklappern, oder wenn Fellsträhnen im Stall liegen) die Tiere trennen. Eine verfeindete Freundschaft läßt sich nicht mehr kitten und wird bis zum bitteren Ende ausgefochten. Wenn der Streit schon längere Zeit geht, nützt auch eine Kastration der Böcke nichts mehr. Die Tiere werden sich nicht mehr vertragen. Eine Kastration von beiden Tieren kann jedoch noch ganz am Beginn des Streites probiert werden, wenn die Feindseligkeiten noch nicht eskaliert sind. Ansonsten müssen die Tiere getrennt und neu vergesellschaftet werden. Aus der Kenntnis dieser Problematik habe ich mich in meiner Zucht entschlossen, alle Jungböckchen, die nicht perfekt zuchttauglich sind schon möglichst früh (6.-8. Woche) kastrieren zu lassen, um allen von mir gezüchteten Tieren ein unproblematisches Leben zu ermöglichen. Als Frühkastrat können sie lebenslang mit einem Bock oder einer Sau vergesellschaftet werden. Dies ist mein Beitrag zum Tierschutz.

 

 

 

 

 

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